Q&A zur Telematik-Infrastruktur

Telematik-Infrastruktur Die Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI) wurde im E-Health Gesetz festgeschrieben. Die TI ist ein sicheres Netz für das deutsche Gesundheitswesen und wird alle Beteiligten wie Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Kassenärztliche Vereinigungen, Apotheken und Krankenkassen miteinander verbinden. Ein sicherer und problemloser Datenaustausch – auch über Sektorengrenzen hinweg – soll ermöglicht werden.

So sind niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten nach der aktuellen Änderung des Gestzes am 9.11.2018 ab dem 30.06.2019 verpflichtet, die Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte online zu prüfen und zu aktualisieren (VSDM).

Die gesetzlich geforderten weiteren Anwendungen wie Notfalldaten (NFDM) und Medikationspläne (eMP) der Patienten werden später nachgerüstet. Auch kommen dann erst der elektronische Arztausweis (eHBA) sowie die digitale Signatur (QES) zum Einsatz.

Viele Fragen zu diesem komplexen, technischen und noch viel politischeren Projekt rund um die elektronische Gesundheitskarte und den Anschluss Ihrer Praxis an die vielzitierte „Datenautobahn" versuchen wir im Folgenden mit knappen Worten zu beantworten.

Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftrage, Peter Schaar, hat einen guten und ausführlichen Beitrag zum Thema "Datenschutz bei der eGK und in der Telematik-Infrastrutur" veröffentlicht.

 



Muss ich mich an die TI anschließen?

§291a SGB VJede Praxis mit einer KV-Zulassung muss sich an die TI anschließen. Weil es sich um eine gesetzliche Vorschrift (§291a ff. SGB V) für Ärzte handelt, sind die Krankenkassen ebenfalls gesetzlich verpflichtet, KV-Ärzten die Kosten für die Anschaffung und den dauerhaften Unterhalt/Betrieb der dafür notwendigen Geräte und Dienstleistungen über die KV zu erstatten.
Reine Privatpraxen sind vom Gesetz nicht betroffen und dürfen nicht angeschlossen werden.

Was benötige ich für die Anbindung meiner Praxis an die TI?

Sie benötigen einen Internetzugang über den LANCOM-Sicherheitsrouter sowie drei neue Komponenten und einen speziellen Dienstleistungsvertrag, um an die TI angeschlossen zu werden:
  1. TI Konnektor
  2. Neues stationäres Kartenterminal mit Sicherheitsmodul SMC-KT
  3. Praxisausweis (SMC-B-Karte)
  4. Dienstleistungsvertrag mit einem VPN-Zugangsdienstanbieter


Zusätzlich wird im PraxisProgramm ein spezielles, zertifiziertes TI-Kommunikationsmodul zum Datenaustausch mit dem TI-Konnektor benötigt.

Grundsätzlich dürfen in der TI nur Geräte und Software verwendet werden, die von der gematik und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugelassen sind. Eine Liste der aktuell zugelassenen Komponenten veröffentlicht die KBV regelmäßig hier.


TI Konnektor

TI-KonnektorDer Zugang zur TI erfolgt über einen sog. Konnektor. Er ähnelt in Aufbau und Aussehen einem DSL-Router, arbeitet allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau und muss daher spätestens alle 5 Jahre ausgetauscht werden. Er stellt ein sogenanntes virtuelles, privates Netzwerk (VPN) zur TI und zum KV-SafeNet her, so dass eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet erfolgt.

Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals sowie der Praxissoftware über die Netzwerkverkabelung verbunden.

 
  • Finanzierung: Die Kosten sind in der KV-Erstausstattungspauschale je BSNR enthalten.

Hier können Praxisgemeinschaften und überörtliche Praxen profitieren, da sie aufgrund der Mandantenfähigkeit des PraxisProgramms technisch nur einen (gemeinsam genutzten) Konnektor anschaffen müssen, die KV-Erstausstattungspauschale jedoch von der KV für jede BSNR bzw. jeden Standort in voller Höhe ausgezahlt wird.


Stationäres Kartenterminal

Kartenterminal mit SMC-BDie neuen Kartenterminals sind notwendig, da die ursprünglich in 2011 flächendeckend für die eGK ausgelieferten Kartenterminals durch die massiven zeitlichen Verzögerungen im Projekt nicht mehr die aktuellen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Die Geräte werden zusätzlich mit einem Sicherheitsmodul (SMC-KT) bestückt, welches dauerhaft versiegelt seitlich im Kartenterminal steckt.

Die neuen Kartenterminals dürfen nicht wie bisher via USB-Kabel direkt an den Praxis-PC, sondern müssen an die Netzwerkverkabelung angeschlossen werden, um die Online-Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen zu können. Viele Praxen benötigen daher voraussichtlich an der Anmeldung einen zusätzlichen Switch und weitere Netzwerkkabel.

 
  • Finanzierung: Die Kosten sind in der KV-Erstausstattungspauschale je BSNR enthalten.

Pro Kartenterminal stehen 435 Euro zur Verfügung. Dabei können Praxen je BSNR, abhängig vom Zulassungsumfang aller dort tätigen Ärzte und Psychotherapeuten, bis zu drei Geräte erhalten:
Mit einem Äquivalent von ein bis drei Vollzeitstellen (Ärzten/Psychotherapeuten) ein Gerät, mit vier bis sechs Vollzeitstellen zwei Geräte und mit mehr als sechs Vollzeitstellen drei Geräte


Praxisausweis (SMC-B-Karte)

SMC-BEin Praxisausweis wird (je BSNR) zur Anmeldung als medizinische Einrichtung in der TI benötigt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Security Module Card Typ B (SMC-B). Die Karte wird bei der Installation der TI-Technik in eines der Kartenterminals gesteckt und über eine PIN freigeschaltet. Nur damit kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen.

Eine erneute Eingabe der PIN ist erforderlich, wenn das Kartenterminal oder der Konnektor neu eingeschaltet wird. Nur mit freigeschaltetem Praxisausweis kann der Konnektor eine Online-Verbindung zur TI herstellen.

 
  • Finanzierung: Für den Praxisausweis werden 23,25 Euro je Quartal und BSNR erstattet.

Die Praxisausweise sind maximal fünf Jahre gültig. Für die erst in Zukunft verfügbaren neuen mobilen Kartenterminals wird dann später jeweils ein weiterer Praxisausweis finanziert.

Die SMC-B Beantragung können Sie direkt von hier aus vornehmen.

Arztausweis (elektronischer Heilberufeausweis, eHBA)

eHBAMit dem eHBA der Generation G2.0 kann sich der Träger der jeweiligen Berufsgruppe in der Telematikinfrastuktur auch digital ausweisen. Zu den Heilberufen gehören beispielsweise Ärzte, Psychotherapeuten und Apotheker. Der eHBA für die Berufsgruppe der Ärzte wird auch als eArztausweis bezeichnet.

Benötigt wird dieser, um sich in der digitalen Welt der Telematik zu authentifizieren sowie für die qualifizierte elektronische Signatur (QES) nach § 291a Abs. 5 SGB V zum digitalen Unterschreiben z.B. von elektronischen Arztbriefen, Rezepten oder AUs.

Diese zwei Funktionen sind notwendig, da der Gesetzgeber vorgegeben hat, dass ein späterer Zugriff auf die Daten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) grundsätzlich nur durch Berechtigte erfolgen darf. 

  • Finanzierung: Für den Arztausweis werden 23,25 Euro je Quartal und Arzt (LANR) erstattet.

Die Arztausweise sind maximal fünf Jahre gültig.

Die eHBA Beantragung können Sie direkt von hier aus vornehmen.

Arztausweise der Generation G2.0 unterstützen nur die Funktionen der Einzelsignatur sowie der Stapelsignatur: 

Einzelsignatur: Es muss für jedes einzelne Medikament auf einem elektronischen Rezept oder für eine elektronische AU die Eingabe der 6-stelligen Signatur-PIN zur Unterschrift am Kartenterminal im Sprechzimmer eingegeben werden.

Stapelsignatur: Es können mit der einmaligen Eingabe der 6-stelligen Signatur-PIN zur Unterschrift am Kartenterminal im Sprechzimmer ein ganzer Stapel Arztbriefe oder Laborüberweisungen auf einmal signiert werden.

Die Handhabung kann man sich als digitale Unterschriftenmappe vorstellen:
Alle zu unterschreibenden digitalen Dokumente werden in einer virtuellen Unterschriftenmappe zusammengefasst. Danach können mit einer einzigen PIN-Eingabe alle in der Unterschriftenmappe enthaltenen Dokumente en block unterschrieben werden.

Erst mit einem Konnektorupdate (geplant zum Jahreswechsel 2021/2022) soll die Funktionen der Komfortsignatur zur Verfügung stehen:

Komfortsignatur: Es kann durch die einmalige Eingabe der 6-stelligen Signatur-PIN zur Unterschrift am Kartenterminal im Sprechzimmer eine vorher festgelegte Menge an Unterschriftsvorgängern (maximal 250 "Blankounterschriften") freigegeben werden. Im Gegensatz zur Stapelsignatur werden die Unterschriften dabei nicht en block, sondern nach und nach ausgeführt.

Erst mit dieser Funktion wird der Einsatz von eRezepten und eAU im Praxisbetrieb alltags- und massentauglich, denn die Notwenigkeit der PIN-Eingabe für der Arzt reduziert sich nachhaltig und lässt damit meist erst einen flüssigen Arbeitsablauf zu.


VPN-Zugangsdienst

VPN-Zugangsdienst

Für den Zugang zur TI benötigen Praxen einen speziellen VPN-Zugangsdienstanbieter – ähnlich einem KV-SafeNet oder Internetprovider. Dieser kümmert sich zusätzlich um die Wartung und die nötigen Updates des Konnektors und der Kartenterminals. Daher müssen auch die Zugangsdienstanbieter von der gematik zertifiziert werden.

 
  • Finanzierung: Für den VPN-Zugangsdienst werden 248 Euro je Quartal und BSNR erstattet.

Auch hier können Praxisgemeinschaften und überörtliche Praxen von der Mandantenfähigkeit des PraxisProgramms profitieren, da sie technisch nur einen gemeinsam genutzten Konnektor anschaffen und damit auch nur einen VPN-Zugangsdienst betreiben müssen, die laufenden Betriebskosten jedoch von der KV für jede BSNR bzw. jeden Standort in voller Höhe ausgezahlt werden.


Was ist eine „sichere Lieferkette“?

Alle für die TI benötigten Komponenten dürfen nicht mit der „normalen" Post oder „normalen" Lieferdiensten in die Praxis geliefert, sondern müssen in einer sog. sicheren Lieferkette zugestellt und persönlich vor Ort an den Arzt übergeben werden.

Dabei findet der Transport mit Sicherheitsdiensten und speziell ausgebildeten und zertifizierten Mitarbeitern statt. Auch die Lieferfahrzeuge müssen speziell abgesichert werden.

Nach Ablieferung in der Praxis sollten trotz aller evtl. vorhandenen Neugier die Kartons, in dem die Geräte angeliefert wurden, ungeöffnet sicher verwahrt und erst am Tag der Installation geöffnet werden. Nur so kann eine zwischenzeitliche Kompromittierung - die zu sofortigen Sperre der Geräte führen würde - sicher verhindert werden.

Alle diese Maßnahmen sind Bedingung für die Zulassung der Geräte und werden den Herstellern vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) vorgeschrieben.

Dieser ganze Aufwand soll verhindern, dass auf dem Weg zwischen der Fabrik des Herstellers und dem  Einsatzort in der Praxis Unbefugte die Geräte manipulieren und mit Abhöreinrichtungen kompromittieren bzw. in den Besitz der Zugangstechnologie gelangen.

Alleine hieran kann man erahnen, welch komplexe Logistik und Timinganforderungen dies an alle Beteiligten stellt.


Bietet MediSoftware ein Komplettpaket an?

Jede Praxis hat per Post ein Schreiben mit einem entsprechenden Bestellbogen erhalten, mit dem wir Ihnen mit nur einer Bestellung fast ein komplettes Starterkit für Ihre Praxis anbieten.

Wieso nur fast?

Der Praxisausweis (die sog. SMC-B) für die jeweilige BSNR kann nur von einem Arzt selber direkt beim SMC-B-Hersteller beantragt werden. Das dürfen wir Ihnen nicht abnehmen.

Zur Vereinfachung bei der Beantragung der SMC-B gibt es im PraxisProgramm eine Funktion, die das entsprechende Antragsformular automatisch schon mit den Daten ihrer Praxis vorbefüllt.

Ansonsten können sie die SMC-B Beantragung auch direkt von hier aus vornehmen.

Die Beantragung sollte aber erst erfolgen, wenn ein konkreter Installationstermin für den Konnektor vereinbart wurde, da auch die SMC-B nach spätestens 5 Jahren ausgetauscht werden muss.


Wie lange dauert die Installation in der Praxis?

Je Praxis werden ca. 2 Stunden benötigt, um den in vielen Praxen typischen Kabelsalat unter der Anmeldung und rund um den LANCOM-Router so zu entwirren, dass die neuen Geräte ins Netzwerk eingebunden und mit Strom versorgt werden können. Dabei kann es, je nach individuellem „Kabelsalatzustand", zu kurzen Unterbrechungen an einzelnen Arbeitsplätzen kommen, die aber normalerweise keinen Neustart des gesamten Systems erfordern.

Da wir im DHCP-Server des LANCOM-Sicherheitsrouters bereits vor dem Installationstermin die künftigen IP-Adressen von Konnektor und Kartenterminals hinterlegen und der Konnektor beim ersten Anschalten eine vorab für die Praxis fertig gestellte Konfiguration lädt, kann die Integration der neuen Komponenten ins Netzwerk im laufenden Praxisbetrieb erfolgen.

Die notwendigen Einstellungen im PraxisProgramm zur Aktivierung des zertifizierten TI-Kommunikationsmoduls, eine Einweisung in die neuen Funktionen, sowie die Handhabung der PIN-Eingabe beim Praxisausweis, finden im laufenden Betrieb statt.

Damit ist es normalerweise nicht erforderlich die Praxis für die Installation extra zu schließen oder die Installation auf außerhalb der Sprechstundenzeiten zu legen.


Was geschieht mit dem alten Kartenleser?

Die bisher genutzten Chipkartenleser bleiben möglichst weiterhin an Ort und Stelle in der Praxis in Betrieb und werden bei Störungen in der Telematik Infrastruktur vom Praxis-Programm automatisch als Ersatz genutzt (sog. Hot-Failover-Betrieb)

So vermeiden wir einen großen Teil der schmerzlichen Erfahrungen, die einige Praxen mit anderen Softwareprodukten in den letzten Monaten machen "durften".


Kann ich irgendeinen Konnektor bestellen?

Nein!

Die Schnittstelle für das (Remote-)Management des Konnektors ist herstellerspezifisch und nicht "einfach so" mit dem PraxisProgramm kompatibel. Daher sind mit dem PraxisProgramm nur Konnektoren funktionstüchtig und von uns supportbar, für die im PraxisProgramm entsprechende Management-Schnittstellen programmiert wurden.

Eine Liste der zum PraxisProgramm kompatiblen Konnektoren finden Sie hier.


Brauche ich neben dem Konnektor auch einen Internetrouter?

Ja, unbedingt!

Der Konnektor kann nicht alleine online gehen, denn er kann weder ADSL, noch VDSL!


Kann ich einen einfachen Router wie die Fritz!Box o.ä. nutzen oder muss es ein Sicherheitsrouter wie der LANCOM sein?

FirewallAuf keinen Fall dürfen in einer Arztpraxis eine für das private Umfeld vorgesehene Fritz!Box oder ähnliche nicht BSI-zertifizierte Geräte eingesetzt werden.

Es muss ein Sicherheits-Router sein, weil z.B. Wartezimmer-TV, Windows-Updates, Medikamentendaten- und Programmupdates, Labor-DFÜ, EC-Cashgeräte, VPN-Fernwartung, HÄVG-Abrechnung usw. TECHNISCH NICHT durch den Konnektor laufen können! Daher müssen die Praxis-PCs weiterhin von einem Sicherheitsrouter geschützt werden!

D.h. Fernwartung via VPN, Softwareupdates, Anbindung an ein Online-Terminbuchungssystem etc. sowie der sichere Internetzugang erfolgen weiterhin über den LANCOM-Sicherheitsrouter, da nicht nur die Bandbreite, sondern auch das Datenvolumen des Konnektor-Internetkanals (SIS) in den aktuellen Konzepten der einzelnen Anbieter stark limitiert sind.


Brauche ich für die TI eine zusätzliche, zweite DSL-Leitung, wenn ich jetzt schon über All-IP telefoniere?

NEIN, die aktuellen LANCOM-Router können alle Daten (Telefon, Internet und Konnektor) über EINE DSL-Leitung abwickeln. Dies vermeidet nicht nur Kosten, sondern auch Probleme durch zu viele "Boxen", bei denen jeder Techniker im Störungsfall unnötig lange für die Fehlersuche braucht.

Was passiert mit meinem KV-SafeNet?

Solange in der Praxis noch kein Konnektor installiert ist oder noch nicht alle für die Praxis relevanten Anwendungen/Dienste im KV-SafeNet von der gematik zertifiziert wurden (z.B. QuaMadi-Programm, PVS-Abrechnung, DMP-Datenannahme), erfolgt der Zugang zum KV-SafeNet über das SafeNet-Modul im LANCOM-Router.

Sobald alle KV-SafeNet-Dienste auch über den Konnektor verfügbar sind, leitet der LANCOM-Router die Daten nicht mehr selber direkt ins KV-SafeNet, sondern routet sie automatisch an den Konnektor weiter. Ab diesem Zeitpunkt entfallen dann auch die Kosten für den KV-SafeNet-Anschluss, d.h. der KV-SafeNet Vertrag endet dann automatisch und bedarf keiner separaten schriftlichen Kündigung.


Wie werden die neuen Komponenten in mein Praxisnetzwerk integriert?

Einbindung der TI-Komponenten in die Praxis

Was muss eine Praxis für die technische Installation vorbereiten?

Für jedes neue Chipkartenterminal am Tresen bzw. in der Anmeldung wird eine freie 220V-Steckdose sowie ein freier Netzwerkanschluss benötigt.

Für den Konnektor benötigen Sie in der Nähe vom LANCOM-Router ebenfalls eine freie 220V-Steckdose mit Dauerstrom (d.h. diese darf wie z.B. beim Kühlschrank oder der Telefonanlage nie ausgeschaltet werden), sowie einen freien Netzwerkanschluss (das kann z.B. auch ein freier Netzwerkanschluss im LANCOM-Router sein).

Bitte prüfen Sie, ob diese Voraussetzungen bereits in Ihrer Praxis vorhanden sind und beauftragen, wenn nötig, noch rechtzeitig einen Elektriker. Bei Fragen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Sollte am Installationstermin bei Ihnen noch eine der vorgenannten Voraussetzungen fehlen, haben unsere Techniker für alle Fälle eine Auswahl an Netzwerkkabeln, Switches, Mehrfachsteckdosen sowie sonstigem Installationsmaterial dabei. Dies berechnen wir dann nach Bedarf entsprechend zusätzlich.


KIM – Kommunikation im Medizinwesen

Der KIM-Dienst ist dazu gedacht, um Nachrichten und Dokumente schnell und sicher an andere an die TI angebundene Leistungserbringer zu schicken. Der KIM-Dienst wird also die bisherigen genutzen verschlüsselten Mails via KV-Safenet nach und nach ablösen und dabei gleichzeitig den Empfängerkreis erheblich vergrößern.

Außer ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen werden zukünftig auch andere medizinische Einrichtungen wie Apotheken oder Krankenhäuser, aber auch die Krankenkassen und die KBV an die TI angebunden sein. Ziel von KIM ist es, künftig eine sektorenübergreifende sichere elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen zu ermöglichen.

KIM sollte eigentlich ab dem 3. Quartal 2020 als eine weitere Anwendung der TI zur Verfügung stehen. Doch durch die fast schon gewohnten Verzögerungen in der Telematik rechnen wir nicht vor Frühjahr 2021 mit der Funktionstüchtigkeit des System, da z.B. zentrale Funktionen wie das Adressbuch zum Auffinden der Kollegen derzeit noch keine alltagstauglichen Suchfunktionen anbietet.


Wie sicher ist der Versand von Patientendaten via KIM?

KIM wurde eigens für das Gesundheitssystem in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) entwickelt, wie im SGB §291b 1e festgelegt. Die Mailkommunikation über einen von der gematik zugelassenen KIM-Dienst erfüllt damit höchste Sicherheitsstandards.

Um über KIM Mails zu versenden oder zu empfangen, ist die TI-Anbindung notwendig, denn KIM nutzt die Komponenten der TI (beispielsweise den elektronischen Arztausweis für die Unterschrift der digitalen Briefe). Nur Kommunikationspartner mit geprüfter Identität (Anbindung an die TI) können mittels KIM Nachrichten austauschen, sodass Daten nicht in falsche Hände gelangen können, und Absender nachgewiesenermaßen vertrauenswürdig sind. Durch die kartenbasierte Verschlüsselung können Nachrichten immer nur vom Empfänger gelesen werden.


Wer kann via KIM erreicht werden?

Praxen können allen anderen an die TI angeschlossenen Praxen, die bereits einen KIM-Dienst nutzen, Nachrichten und medizinische Dokumente senden.

Jede Arztpraxis hat in KIM mindestens ein Mail-Postfach je Betriebsstättenummer (BSNR).

Zusätzlich kann jeder Arzt einer Praxis auch noch für sich persönlich ein individuelles Mail-Postfach einrichten, auf dass er nur mit seinem Arztausweis zugreifen kann. - Dabei sollte jedoch immer bedacht werden, dass z.B. im Urlaub der Arztes niemand an die Mails in seinem Postfach herankommen kann.

Spätestens ab dem 1.1.2021 müssen eigentlich alle Arztpraxen einen KIM-Dienst nutzen, um eAUs (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen) Ihrer Patienten elektronisch an die Krankenkassen zu übermitteln.

Nach Aussage der KBV ist diese Frist doch noch nicht bindend, denn die zentralen Dienste stehen zum 1.1.21 eben noch nicht alltagstauglich zur Verfügung. Dennoch ist von einer Verpflichtung der KIM-Nutzung in absehbarer Zeit auszugehen.

 


Welche Voraussetzungen werden für die Nutzung von KIM benötigt?

Praxen brauchen zunächst einen KIM-Dienst eines von der gematik zertifizierten Anbieters. Derzeit befinden sich KIM-Dienste verschiedener Anbieter noch im Zulassungsprozess.

Grundsätzlich ist jeder zertifizierte KIM-Dienst mit dem PraxisProgramm kompatibel, doch ist es für den alltäglichen Betrieb in der Praxis aus den bisherigen Erfahrungen mit Störungen in der Telematik aus unserer Sicht essentiell, dass der KIM-Dienst vollständig automatisch von uns über das PraxisProgramm gesteuert und konfiguriert werden kann.

Aus diesem Grund bieten wir einen eigenen KIM-Dienst an, der vollständig in die Software integriert ist und den wir optimal betreuen können.
Bevor Sie sich in Ihrer Praxis für einen anderen KIM-Dienst entscheiden, sollten Sie daher klären, wer Sie bei der Einrichtung und evtl. späteren Störungsbeseitigung unterstützen wird. Wir werden grundsätzlich nur KIM-Dienste an der Hotline unterstützen, die sich technisch vollständig über das PraxisProgramm steuern lassen.

KIM verschlüsselt und signiert Ihre Nachrichten. Sobald Sie einen KIM-Dienst haben, können Sie zum Verfassen Ihrer Nachrichten die schon vom KV-SafeMail bekannte E-Mail-Funktion im PraxisProgramm nutzen. In der Handhabung wird sich also nicht sehr viel verändern

Sie brauchen nur Ihre Nachricht zu schreiben, den Empfänger aus Ihrem internen Adressbuch oder dem (dann irgendwann sinnvoll nutzbaren) KIM-Adressverzeichnis auszuwählen, und dann auf „Versenden" zu klicken. Ihre Nachricht wird dann verschlüsselt und sicher an den Empfänger übermittelt.


Welche Kosten fallen für KIM an und was wird vergütet?

Die Kosten werden durch die Finanzierungsvereinbarung von KBV und GKV-Spitzenverband vergütet. In der Finanzierungsvereinbarung ist je Vertragsarztpraxis eine einmalige Einrichtungspausale von 100€ und eine Betriebskostenpauschale von 23,40 € je Quartal veranschlagt.

Zusätzlich können je versendete Nachricht 0,28€ (GOP 86900) und je empfangener Nachricht 0,27€ (GOP 86901) abgerechnet werden, pro Quartal jedoch maximal 23,40€. Hinzu kommt für drei Jahre befristet eine extrabudgetär vergütete Strukturförderpauschale von ca 0,11€ (GOP 01660) je versendeter Nachricht (ohne Maximalbegrenzung).

Finanzierungsvereinbarung (PDF): https://www.kbv.de/media/sp/Anlage_32_TI_Vereinbarung.pdf

ausführlicher Leitfaden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (PDF): https://www.kzbv.de/kzbv2020-leitfaden-kim.download.5b7aa915b767df4633a116afbbc8401f.pdf

 


Notfalldatenmanagement (NFDM)

 

Beim Notfalldatenmanagement (NFDM) geht es darum, dass Ärztinnen und Ärzte in einem medizinischen Notfall wichtige notfallrelevante Informationen direkt von der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) eines Patienten abrufen können.

Das können zum Beispiel Informationen zu Allergien, (chronischen) Diagnosen, (Dauer-)Medikationen oder auch Notfallkontakten des Patienten sein.

Voraussetzung hierfür ist das sog. E-Health-Upgrade auf dem Konnektor der Praxis, ein elektronischer Arztausweis (eHBA) der Generation G2.0 sowie sinnvollerweise ein Kartenterminal in jedem Sprechzimmer, damit die Notfalldaten während des Behandlungskontaktes bei relevanten Änderungen vom Arzt gleich auf die eGK des Patienten gespeichert bzw. aktualisiert werden können.

Die ärztliche Vergütung für die notwendigen technischen Komponenten, aber auch für das Anlegen, Aktualisieren und Löschen eines Notfalldatensatzes haben KBV und Krankenkassen bereits festgelegt (extrabudgetär)t:

GOP 01640 (8,79€ bzw. 80 Pkt.) für die Erstanlage des Notfalldatensatz auf der eGK
GOP 01641 (0,44€ bzw. 4 Pkt.) für Änderung, Aktualiserung oder Löschung des Notfalldatensatz auf der eGK

Zustimmung notwendig

Bevor Ärztinnen oder Ärzte künftig einen Notfalldatensatz erstellen, müssen sie prüfen, ob die Anlage medizinisch notwendig ist. Sie müssen zudem die Patientin oder den Patienten darüber aufklären und eine Einwilligung einholen. Anschließend wird der Datensatz elektronisch mit dem eHBA signiert und auf der eGK gespeichert.
Den Notfalldatensatz lesen dürfen bei einem medizinischen Notfall Ärztinnen und Ärzte, Notfallrettungskräfte oder andere Personen, die einen elektronischen Heilberufsausweis besitzen - auch ohne Zustimmung der betroffenen Person.
Anders ist es bei einem normalen Praxisbesuch: Ärztinnen und Ärzte dürfen die Notfalldaten nur lesen oder bearbeiten, wenn die Patientin oder der Patient dem ausdrücklich zustimmen. Auf der eGK wird genau protokolliert, wer wann wo auf den Notfalldatensatz zugegriffen hat.


elektronischer Medikationsplan (eMP)

Bereits seit 2016 gibt es den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP), um Patientinnen und Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Arzneimittel zu unterstützen. Er soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt, sowie die Selbstmedikation. Dazu werden unter anderem der Wirkstoff, die Dosierung, der Einnahmegrund und sonstige Hinweise zur Einnahme aufgeführt. Gab es den BMP für die Patienten bisher nur auf Papier, wird der elektronische Medikationsplan - in der stets aktuellen Version - auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. Anspruch auf die Papierversion, die sich direkt aus dem eMP erstellen lässt, haben die Versicherten aber weiterhin.

Der eMP geht noch einen Schritt weiter:

Er soll dafür sorgen, dass alle am Medikationsprozess Beteiligten immer die aktuellsten Informationen zur Hand haben. Deshalb sind nun zur Aktualisierung des eMP neben Hausärzten sowohl Fachärzte als auch Apotheken verpflichtet, sobald sie die Medikation ändern oder ausreichend Kenntnis über eine Änderung haben.

Es gibt zudem eine Kommentarfunktion als ergänzende Information für die Mitbehandler. Voraussetzung ist die Zustimmung der Patientin oder des Patienten. Später kommen weitere Funktionalitäten dazu, etwa historisierte Arzneimitteldaten. Das Datenmanagement via eMP soll zukünftig für Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfungen genutzt werden können, beispielsweise für Interaktionschecks.

Voraussetzung hierfür ist das sog. E-Health-Upgrade auf dem Konnektor der Praxis, ein elektronischer Arztausweis (eHBA) der Generation G2.0 sowie sinnvollerweise ein Kartenterminal in jedem Sprechzimmer, damit der Medikationsplan während des Behandlungskontaktes bei relevanten Änderungen vom Arzt gleich auf die eGK des Patienten gespeichert bzw. aktualisiert werden können.

Die ärztliche Vergütung für die notwendigen technischen Komponenten, aber auch für das Anlegen, Aktualisieren und Löschen eines Medikationsplans haben KBV und Krankenkassen bereits festgelegt (extrabudgetär)t:

GOP 01630 (4,22€ bzw. 39 Pkt.) für die Erstanlage,Änderung, Aktualiserung oder Löschung des Medikationsplans auf der eGK. Der Zuschlag kann je Patient im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt einmalig abgerechnet werden.

Zustimmung notwendig

Versicherte haben die Möglichkeit, ihre Notfalldaten und den elektronischen Medikationsplan zusätzlich mit einer PIN vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. In der Standardeinstellung ist die PIN beim eMP aktiviert - ein eMP kann dementsprechend nur dann auf der eGK gespeichert, von dort ausgelesen oder aktualisiert werden, wenn die oder der Versicherte die Karten-PIN kennt. Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb zunächst nachfragen, ob die PIN bekannt ist.

Die sechsstellige PIN versenden die Krankenkassen an ihre Versicherten. Bisher haben jedoch nur wenige Versicherte eine PIN erhalten.

 


SMC-B

SMC-B Beantragung

Die SMC-B Beantragung können Sie direkt von hier aus vornehmen.

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